Standort: Flegessen
Wettbewerb: 2017
Auslober: Ev.-luth. Kirchengemeinde Flegessen

Kirche Flegessen

Eine Annäherung an eine scheinbar unlösbare Aufgabe: Das kraftvolle Weiterbauen im historischen Kontext. Es geht darum, dem Neuen – bei gleichzeitiger Abwesenheit – eine starke und zugleich angemessene Präsenz zu verleihen.

In einem kompakten, riegelförmigen Baukörper auf der Nordseite der Kirche wird das geforderte Raumprogramm angeordnet. Der 19,20m lange und 5,12m breite Neubau schließt im Osten bündig mit der Hauptfassade der Kirche ab, während er im Westen die Gebäudeflucht der Kirche leicht überragt und dem westlichen Vorplatz der Kirche eine unscheinbare, aber wahrnehmbare räumliche Fassung gibt, die dem Besucher Orientierung und Auffindbarkeit ermöglicht.

Der Baukörper hält zur Nordfassade der Kirche Distanz. Es entsteht ein 2,50m breiter Zwischenraum – einzig unterbrochen von einem vollständig als Ganzglaskonstruktion konzipierten Verbindungsbauwerk zur Kirche, in dem sich alle Ein- und Durchgänge zwischen Neubau und Kirche befinden.

Der entstehende Zwischenraum ist nicht einfach Abstandsfläche, sondern wird durch die Grundrissdisposition des Neubaus räumlich inszeniert. Die Flur- und Verkehrsfläche erhält eine verglaste, öffenbare Glasfassade und bezieht den Außenraum und die Nordfassade der Kirche in das räumliche Konzept mit ein. Aus einem einfachen Flur wird somit ein erlebbarer, vielfältig nutzbarer, Foyer-artiger Ort, der zum Dialog, zur Kommunikation und zur Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Zeitschichten einlädt.

Das Raumprogramm ist funktional und einfach gegliedert. Die Abtrennung des Veranstaltungsraumes von der Kirche erfolgt mit einer Ganzglas-Wand, in der eine mittig liegende Doppelflügeltür zum Kirchenraum integriert ist.

Die Architektursprache der Fassade des Neubaus verdeutlicht eine zeitgemäße und selbstbewusste Haltung im Spannungsfeld zwischen Denkmalpflege und der Frage der Angemessenheit einer architektonischen Intervention. Der Unantastbarkeit der denkmalgeschützten, steinernen Kirche wird über einen transitorischen Zwischenraum eine zeitgemäße Fassade aus ornamental perforierten, Bronze-eloxierten Alublech-Tafeln im Dialog zwischen Alt und Neu gegenübergestellt.

Die hinterlüftete Metallfassade überzieht – mit Ausnahme der Foyerfassade – alle Außenwände des Neubaus. Für die Perforation der Fassade wird ein symbolhaftes Ornament aus einem Kreuz entwickelt, das seine Entsprechung in der Bedruckung der Ganzglas-Trennwand zwischen Kirche und Veranstaltungsraum findet.

In den Freiräumen sind einige wenige Eingriffe vorgesehen, die die einfache und selbstverständliche Einbindung der Gebäude fortschreiben: Die wassergebundenen Gehwegflächen werden bis zu den Eingängen des Neubaus weitergeführt, im Osten wird der angedachte Parkplatz fußläufig angebunden und ermöglicht einen direkten Zugang zum Neubau und zur Sakristei.